
Hot Hot Heat, Official Secrets Act
25.02.10 - FZW / Dortmund
Konzert-Bericht: Martina
Foto: Martina
Ab nach Dortmund. The Official Secrets Act, Hot Hot Heat und The Teenagers stehen im Ring. Die Teilnehmer der Runde B der Jägermeister:Rockliga kämpfen heute im Dortmunder FZW, um den zum Sieg benötigenden lautesten Applaus, der am Ende der Chose über Sieg oder Niederlage entscheidet. Einfach wird es bestimmt nicht. Vom Grundsatz her haben alle Mitstreiter ein ähnliches Schema: jede der drei Retro-Gitarrenbands peppt ihre Songs mit mehr oder weniger elektronischem Sound auf. Doch was am Ende dabei herauskommt, wird sich zeigen.
Nach einer Wettkampf üblichen Ansage, die sich heute der Hamburger Musiker Bosse zur Aufgabe macht, geht auch schon die erste Band in den Ring. The Official Secrets Act aus Leeds müssen sich vor dem noch nüchternen Publikum beweisen. Mit „Mainstream“ legen die vier einen souveränen Start hin. Nach den schüchtern zurückhaltenden Anfangsminuten taut das Publikum immer mehr auf, zu den flirrenden und mit Gitarren vermischten Synthiepopklängen. Auch Sänger und Gitarrist Thomas Charge Burke tritt aus dem Schatten ans Licht. Seine Stimme legt sich wie ein feiner Schimmer auf die Musik. Es klingt weich und eindringend, je nach Tonlage weist der Gesang Verwandtschaft mit JJ72 oder den Maccabees auf. „Bloodsport“ animiert mit seinem blubbernden Synthetikgeknister das Tanzgen in den sich noch zaghaft bewegenden Zuschauerreihen. Doch die Songs von The Official Secrets Act sind nicht nur zum mitbewegen gedacht. Spätestens bei „Momentary Sanctuary“ steht alles wieder still. Die 80er Jahre Keyboardklänge halten sie Spannung im Song aufrecht. Mit jeder Sekunde wartet man auf das ausbrechen der Instrumente, doch nichts davon wird passieren. Viel zu brav und glatt spielen die vier ihr Set. Erst im Endspurt mit ihrer aktuellen Single „Believe Me“ und im Abschluss mit „So Tomorrow“ beweisen die Briten, dass sei auch rocken könnten. Dass ihnen das gut gelungen ist, bestätigt der Geräuschpegel der klatschenden Menge.
Nach diesem delikaten Einstieg rotzen die Kanadier von Hot Hot Heat frech und ungestüm ins Neonlicht. Locken und lange Haare wehen nun im Takt. Die Mukke dreht einen Gang auf und die ersten Reihen im Publikum drehen mit. Auch die Lautstärke der Kanadier schraubt sich um einige Dezibel nach oben. Mit einem Gitarrenschlag ist die sanft zurückgelassene Atmosphäre der Vorband zusammen gebrochen. Hot Hot Heat zeigen mit voller Wucht wer nun die Führung übernimmt. Mit neuem Liedgut, das im nächsten Monat erscheint, punkten sie schon jetzt im Dezibelbereich, denn die Meute feiert bei „Dirty Mouth“ ausgelassen mit. Hot Hot Heat machen sich nicht nur mit ihren Songs bei der Jury beliebt. Frontmann Steve Bays beweist sich auch als guter Showmaker. Wenn er nichts an den Tasten zu tun hat, marschiert der Sänger am Bühnenrand entlang. In gebückter Stellung ist es eben einfacher, Blickkontakt mit dem weiblichen Publikum aufzunehmen. Dann wechselt Bays mit Mikrofon zu seinem Keyboard. Die morschen Klänge aus dem analogen Synthie knarzen zu den sich duellierenden Gitarrenriffs. Dem Publikum gefällt es, denn die Musik rockt ordentlich und so scheut man sich auch nicht, gemeinschaftlich schräg „Goodnight“ mitzugrölen. Bei „Bandages“ holen alle Beteiligten noch mal alles aus Tasten, Drums und Gitarren raus. Laut Beifallslautstärke liegen die Kanadier nun eine Handbreit in Führung - ob Frechheit siegt?
Die letzte Bandansage an diesem Abend gilt den Franzosen The Teenagers. Nur das Ankündigen des Namens verursacht Aufruhr im Saal. In der ersten Reihe wird es eng. Selbstsicher treten die Teenager ins Rampenlicht und legen sogleich los. Im diffusen Licht bröselt der Synthie geladene Sound auf die Köpfe der Besucher ein. Delafon ist der einzige instrumentenlose Sänger an diesem Abend. So ungebunden spaziert er leichtfüßig tänzelnd, nur auf Socken, zu seinem Sprechgesang über die Bühne. Im nächsten Augenblick stellt sich der ruhelose Frontmann auf das Schlagzeugpodest und schaut zufrieden auf die mittanzende Masse. Mit flockigen Melodien wie „Make It Happen“, „Starlett Johannson“ eigentlich eine Leichtigkeit, wer kann dem schon widerstehen. Live ist das Trio ein Qaurtett, die vierte Kraft im Hintergrund wird für den elektronischen Retrosound gebraucht. Doch die ganze Aufmerksamkeit gehört dem Sänger. Mit seinem Dauergrinsen versprüht Quentin Delafon all seinen französischen Charme und kann ausgelassen mit den Mädels hautnah flirten. „Love No“ - das Mikrofon wird einfach weitergereicht und jeder der mag, singt eine Strophe mit. Zur Unterstützung auf der Bühne werden Cheerleader gesucht. Drei Damen finden sich und dürfen die Party von oben aus mitfeiern. Zwischendurch wird noch vom braunen Getränk des Gastgebers genascht, damit die letzten Zeilen auch richtig sitzen. Als das Partybarometer seinen Höhepunkt erreicht und sich alles vor der Bühne in eine Tanzfläche verwandelt, ist es der richtige Zeitpunkt zu verschwinden.
Lautstark wird den Jungs aus Frankreich hinterher geklatscht, in der Hoffung das sie für noch einen Song zukommen. Was aber für eine Zugabe nicht ausreicht, macht den Tagessieg gewiss!
->Bildergalerie zum Konzert
Review kommentieren
Offizielle Website
© 2005-2010 soundmag.de


